Zero RFQ: Wie KI Bauteile bepreist, bevor Sie einen Lieferanten anfragen

Zero RFQ ist ein Beschaffungsansatz, bei dem eine KI den Preis eines Bauteils aus Zeichnung, 3D-Modell und Einkaufshistorie vorhersagt und einen passenden Bestandslieferanten vorschlägt. Eine Anfrage ist dann nicht mehr nötig. Laut PartSpace-Praxisbericht vom BME Value Day bei ZEISS in Oberkochen lassen sich so über 60 % der neu konstruierten Bauteile direkt bei bestehenden Lieferanten beschaffen. Der Einkauf wechselt von der Angebotsabwicklung zur Preisvalidierung. Anfragen bleiben dort, wo sie wirklich Wert schaffen: bei neuartigen Komplexteilen sowie strategischen oder kritischen Bauteilen.
Das Wichtigste in Kürze
Über 60 % der neu konstruierten Bauteile lassen sich ohne Anfrage bei Bestandslieferanten beschaffen (PartSpace-Praxisbericht, Oktober 2026).
Siemens Mobility sieht ein Einsparpotenzial von 7–12 % pro Jahr über das gesamte zeichnungsgebundene Portfolio.
Horsch hat bei über 10.000 Bauteilen ein Einsparpotenzial von 12 % identifiziert und umgesetzt. Der ROI kam nach wenigen Wochen.
BHS Corrugated verzeichnet bereits rund 20 % Prozessverbesserung und erwartet mit ERP-Schnittstelle 50–60 % Zeiteinsparung.
Zero RFQ ersetzt den Einkauf nicht: Die KI weist ihre Konfidenz selbst aus, und unsichere Preise gehen weiterhin in die Prüfung.
Warum ist die Anfrage der teuerste Schritt im Einkauf?
„Der teuerste Schritt im Einkauf ist der, den niemand zählt”, sagte Steffen Loose von PartSpace auf dem BME Value Day. Im Maschinen- und Anlagenbau durchläuft ein Bauteil meist den vollen Anfrageprozess: Zeichnung, Anfrage, Angebote einholen, Preisspiegel, Vergabe. Das gilt unabhängig von Wert und Risiko.
Dieser Weg hat drei strukturelle Schwächen:
Er ist aufwendig. Er ist selten durchgängig digitalisiert und an manuelle Abläufe gebunden.
Preiswissen entsteht zu spät. Der Einkauf erfährt erst nach den Angebotsrunden, was ein Bauteil kosten darf.
Er skaliert nicht. Der klassische Preisspiegel wächst linear mit der Teilezahl, und das hält kein Team durch.
Wer die Anfrage digitalisiert, macht sie schneller. Überflüssig macht er sie nicht.
Was ist Zero RFQ?
Zero RFQ beginnt mit einer These: „Der beste RFQ ist der, den Sie nie stellen müssen.” Viele Beschaffungsvorgänge brauchen keinen Markttest, sondern einen belastbaren Preis. Loose fasst es so zusammen: „Nicht jeder Beschaffungsvorgang braucht einen Markt. Die meisten brauchen nur einen belastbaren Preis.”
Laufen Zeichnung, 3D-Modell, Stückliste und Einkaufshistorie auf einer technischen Ebene zusammen, lässt sich der Preis eines Bauteils vorhersagen, bevor ein Lieferant gefragt wurde. Das schafft außerdem Kostentransparenz schon in der Konstruktion, wenn Änderungen noch günstig sind.
Wie sagt die KI Bauteilpreise ohne Anfrage voraus?
Die KI liest technische Zeichnungen (2D und 3D-STEP), Stücklisten und Einkaufshistorien aus Ihren CAD-, PLM- und ERP-Systemen. Daraus erzeugt sie:
Eine Should-Cost-Analyse je Bauteil, aufgeteilt in nachvollziehbare Kostenbausteine wie Material, Bearbeitung und Finish. Einen Black-Box-Preis gibt es nicht.
Ähnlichkeitsanalysen und Clustering, die vergleichbare und doppelte Bauteile aus Ihrer Einkaufshistorie finden.
Benchmarking und Ausreißererkennung, die Preise markieren, die nicht zu ihren Kostentreibern passen.
Eine Lieferantenempfehlung: den Bestandslieferanten, der am besten zum Bauteil passt.
Der Einkauf validiert den Preisvorschlag und entscheidet. Jede Entscheidung trainiert die Modelle nach, sodass das System laufend dazulernt.
Im vollständigen Praxisbericht finden Sie ein durchgerechnetes Cost-Breakdown-Beispiel für ein reales Bauteil. Es zeigt, wie sich die Kostenbausteine zum KI-Preis summieren und welche Kostentreiber dahinterstehen.
Für welche Bauteile funktioniert Zero RFQ und für welche nicht?
Zero RFQ ist keine Pauschalregel. Der Praxisbericht zieht klare Grenzen:
Direkt ohne RFQ | Weiterhin mit Prüfung oder Anfrage |
|---|---|
Wiederkehrende Geometrien | Neuartige Komplexteile |
Bestandslieferant passt | Strategische oder kritische Warengruppen und Lieferketten |
Geringes bis mittleres Risiko | KI-Preise mit hoher Unsicherheit |
Die Grenze ergibt sich aus einer Modellaussage, nicht aus dem Bauchgefühl. Die KI gibt für jeden Preis ihre Konfidenz an.
Welche Ergebnisse haben Unternehmen erzielt?
Die Ergebnisse hängen von Portfolio und Datenbasis ab. Drei Kunden aus dem Praxisbericht zeigen die Bandbreite:
BHS Corrugated beschafft rund 10.000 zeichnungsgebundene Bauteile pro Jahr, bei einem Einkaufsvolumen von etwa 40 Mio. € p. a. in dieser Warengruppe. Das Unternehmen ersetzt manuelle Anfragen schrittweise durch KI und hat 2025 bereits eine sechsstellige Einsparung realisiert. „Aktuell sehen wir eine Prozessverbesserung von rund 20 %. Mit der geplanten Schnittstelle und einem durchgängigeren Datenaustausch rechnen wir mit 50 bis 60 % Zeiteinsparung”, sagt Johannes Rupprecht, Head of Purchasing, BHS Corrugated & GKS.
Siemens Mobility führt Einkauf, Produktion, Engineering und Re-Use in einem Datenmodell zusammen, ohne manuelle Dateneingabe. Daraus ergibt sich ein Einsparpotenzial von 7–12 % pro Jahr über das gesamte zeichnungsgebundene Portfolio. Berthold Weiss (Siemens Mobility) und Steffen Loose haben den Ansatz auf der 25. VDI-Tagung Wertanalyse 2026 in Wuppertal vorgestellt.
Horsch hat mit einem Kernteam von nur zwei Personen über 10.000 Bauteile analysiert. Das Unternehmen hat ein Einsparpotenzial von 12 % identifiziert und umgesetzt und den ROI innerhalb weniger Wochen erreicht. Die prognostizierten Preise und markierten Ausreißer gingen direkt in die Lieferantenverhandlungen.
Im vollständigen Praxisbericht lesen Sie den kompletten Fall BHS Corrugated: den Vier-Stufen-Fahrplan von der Preisvalidierung bis zu Zero RFQ und warum jede Stufe einen eigenen Business Case trägt.
Wie gelingt der Einstieg?
Sie brauchen kein Großprojekt. Der Praxisbericht empfiehlt einen Pilot auf einer einzelnen Bauteilfamilie, ohne ERP-Integration und ohne Datenbereinigung vorab. Eine typische PartSpace-Einführung dauert sechs Wochen bis Go-Live.
Im vollständigen Praxisbericht finden Sie die Fünf-Schritte-Anleitung für den Einstieg, von der Ausgangsbasis und Governance über Quick Wins bis zur nachhaltigen Verankerung im Arbeitsalltag.
Was steht im vollständigen Praxisbericht?
Der kostenlose PDF-Praxisbericht „Zero RFQ: Bestpreis ohne eine einzige Anfrage” enthält:
Die vollständige Argumentation aus dem Vortrag auf dem BME Value Day bei ZEISS
Den Weg der KI von der Zeichnung zum Preis, Schritt für Schritt
Eine durchgerechnete Should-Cost-Aufschlüsselung für ein reales Bauteil
Den kompletten Fall BHS Corrugated mit Vier-Stufen-Fahrplan
Die Belege von Siemens Mobility und Horsch im Detail
Eine Fünf-Schritte-Anleitung für Ihren ersten Zero-RFQ-Pilot
→ Den vollständigen Praxisbericht herunterladen: „Zero RFQ: Bestpreis ohne eine einzige Anfrage”
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