Wie technische Intelligenz Beschaffungsentscheidungen verbessert

Interview mit PartSpace-CEO Robert Hilmer
Unsere Kunden profitieren von maßgeschneiderten Einkaufsentscheidungen, transparenten Prozessen und signifikanten Einsparungen.
Robert Hilmer ist der CEO von PartSpace. Zusammen mit Sebastian Freund (COO) und Michael Neuhauser (CTO) gründete er das Unternehmen 2019. In einem Interview beantwortet er Fragen zum Unternehmen, zur KI-Softwarelösung und weiteren Themen.
Was war die Gründungsidee für Ihr Unternehmen?
Robert Hilmer: Vor der Gründung im Jahr 2019 waren die Firmengründer seit Jahren im technischen Einkauf im Bereich Sondermaschinenbau und Maschinenbau tätig. Deshalb wissen wir, dass der Einkauf von Bauteilen und Baugruppen, die speziell anhand einer Konstruktionsdatei gefertigt werden müssen, hochkomplex ist. Das liegt zum einen an der Intransparenz und Kleinteiligkeit des Marktes und zum anderen an der Diversität der Bauteile und daran, dass das Wissen der Einkäufer oft nirgends zentral dokumentiert wird.
So entstand die Idee, eine spezialisierte Einkaufsplattform für Fertigungsteile und Baugruppen zu entwickeln. Unser Ziel war es, die optimale Beschaffungslösung für jedes Zeichnungsteil und jede Baugruppe zu identifizieren und Unternehmen aus Industrie und Mittelstand effizient mit den passenden Lieferanten zu vernetzen.
Wie entwickelte sich PartSpace nach der Gründung weiter?
Robert Hilmer: Schon in einer frühen Phase erhielten wir von mittelständischen Unternehmen Anfragen bezüglich Ähnlichkeitssuche und des „Verständnisses“ von 2D- und 3D-Daten, die wir bedienen konnten und zum Anlass nahmen, unsere KI-Expertise weiter auszubauen. Das Potenzial unserer Technologie wurde auch von unserem ersten Großkunden, einem weltweit tätigen Agrarmaschinenhersteller, erkannt. Bereits die Softwareeinführung im ersten Werk des Agrarmaschinenexperten lieferte beeindruckende Resultate, sodass der globale Roll-out folgte. Für uns bedeutete es die konsequente Weiterentwicklung der Technologie und in der Folge weitere erfolgreiche Implementierungen unserer KI-Plattform bei namhaften Unternehmen wie z.B. Siemens oder Krones.
Wie lautet Ihre Vision?
Robert Hilmer: Unsere Vision ist es, Unternehmen zu befähigen, Engineering-Daten als zentrale Entscheidungsbasis zu nutzen und die Beschaffung konstruierter Bauteile und -gruppen vollständig KI-gesteuert ausführen zu lassen - vom Design bis zur Bestellung.
Wie lässt sich die KI-Lösung von PartSpace beschreiben?
Robert Hilmer: Unsere KI-Software PartSpace AI versteht technische Zeichnungen, analysiert Konstruktionsdaten vollautomatisiert und deckt bislang verborgene Einsparpotenziale bei der Beschaffung zeichnungsgebundener Bauteile auf. Das dabei eingesetzte KI-Modell wurde speziell für den technischen Einkauf entwickelt. Während klassische KI-Systeme primär auf Text- oder ERP-Daten setzen, wurde unsere KI gezielt darauf trainiert, relevante Merkmale in CAD-Zeichnungen und 3D-Modellen zu erkennen – von Maßen und Toleranzen bis zu Materialien und Nachbearbeitungsverfahren. Diese Informationen analysiert, strukturiert und verknüpft die KI automatisch mit historischen Einkaufsdaten und externen Marktinformationen. Sie erkennt, wie ein Bauteil gefertigt werden kann und welcher Einkaufspreis bei welchen Lieferanten erzielt werden kann. So entsteht ein digitaler Assistent, der Engineering-Daten nicht nur automatisiert verarbeitet, sondern strategisch auswertet und nutzbar macht.
In welchen Bereichen findet die Lösung Anwendung?
Robert Hilmer: Die aus PartSpace AI resultierenden strukturierten Daten eröffnen vielfältige Anwendungsfelder: vom strategischen Einkauf über das Cost Engineering und Lieferantenbenchmarking bis hin zu Standardisierung und Qualitätssicherung. Unsere Software kann nicht nur realistische Zielpreise kalkulieren, sondern auch geeignete Lieferanten identifizieren oder Bauteildubletten durch Ähnlichkeitsanalysen aufdecken. So lassen sich Varianten bündeln und Volumeneffekte gezielt nutzen.
Darüber hinaus arbeiten wir mit den ersten Kunden daran, den gesamten Einkaufsprozess über unsere KI abzuwickeln – von der gezielten Lieferantenanfrage über die automatische Nachverhandlung bis hin zum Bestellvorgang.
Was zeichnet die PartSpace-KI besonders aus?
Robert Hilmer: Die Besonderheit ist, dass das KI-Modell von PartSpace AI nicht auf synthetischen oder öffentlich verfügbaren Datensätzen, sondern auf realen Zeichnungen, Preisen, Lieferantendaten und Prozessen aus realen, individuellen Kundenprojekten trainiert wurde. Diese historisch gewachsene Datenbasis sorgt für besonders belastbare Analysen und verlässliche Ergebnisse. Jedes Unternehmen erhält ein individuell trainiertes KI-Modell, das ausschließlich auf unternehmenseigenen Daten basiert.
Das individuell trainierte KI-Modell basiert auf Kundendaten – wie ist die Datensicherheit gewährleistet?
Robert Hilmer: Datensicherheit hat für uns oberste Priorität. Unsere Systeme laufen in geschützten Cloud-Umgebungen, die höchste Sicherheitsstandards erfüllen. Unternehmen behalten jederzeit die volle Kontrolle über ihre sensiblen Informationen und können gleichzeitig die Vorteile intelligenter Automatisierung nutzen.
Können Sie ein Anwendungsbeispiel skizzieren?
Robert Hilmer: Zum Beispiel hat ein Maschinenhersteller unser Produkt genutzt, um mittels unserer KI eine Zeichnungs- und Kostenanalyse von Warengruppen durchzuführen:
Ausgangssituation und Herausforderung: Der Kunde hatte über 10.000 zeichnungsgebundene Bauteile, die zur besseren Strukturierung in verschiedene Warengruppen mit jeweils rund 5.000 Teilen unterteilt waren. Mit PartSpace AI sollte eine effiziente Ähnlichkeits- und Kostenanalyse für diese große Menge an Zeichnungsteilen umgesetzt werden.
Umsetzung: Zunächst wurden die Konstruktionsdaten einer ersten Warengruppe bereitgestellt und rund 2.500 Bauteile implementiert. PartSpace AI extrahierte automatisiert die kostentreibenden Eigenschaften aus den technischen Zeichnungen und verknüpfte sie mit geometrischen Merkmalen aus den 3D-Modellen.
Ergebnisse: Bereits wenige Wochen nach der Softwareeinführung lagen erste Resultate vor: Die KI prognostizierte die Preise sämtlicher Bauteile präzise, identifizierte Preisabweichungen und schlug für jedes Bauteil den optimalen Lieferanten aus dem gesamten Lieferantenstamm vor. Nach einer umfangreichen Datenanalyse der ersten beiden Warengruppen mit einem Einkaufsvolumen im zweistelligen Millionenbereich wurden innerhalb weniger Monaten rund 12 Prozent Einsparpotenzial aufgedeckt.
Das Fazit: PartSpace AI trug erheblich dazu bei, die Ähnlichkeits- und Kostenanalyse von zeichnungsgebundenen Fertigungsteilen schnell und einfach zu gestalten und eine Preistransparenz über alle Bauteile zu erhalten. Innerhalb weniger Wochen wurde der Return-on-Investment erreicht und anschließend weiteres Kosteneinsparungspotenzial realisiert - durch die Analyse der weiteren Warengruppen.
KI erfordert enormes Fachwissen und ausgewiesene Experten. Wie viele Mitarbeiter sind bei PartSpace für die KI-Technologie zuständig?
Robert Hilmer: Wir verfügen über ein starkes Team mit umfassender KI-Expertise für die Industrie. Mehr als 25 Spezialisten aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Engineering - darunter vier promovierte Experten, die im Zuge ihrer Dissertationen relevante wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht haben, - bringen ihr tiefes Fachwissen und ihre Leidenschaft ein, um neue Standards in der Anwendung von KI für den technischen Einkauf zu setzen.
Wie sehen das Unternehmen und seine Lösung positioniert?
Robert Hilmer: PartSpace positioniert sich mit der Lösung nicht als klassischer Tool-Anbieter, sondern als strategischer Partner für die Industrie, der technisches Know-how, vertrauenswürdige Datenarchitektur und echte Praxiserfahrung vereint. Während viele Unternehmen noch experimentieren, ist PartSpace AI bereits produktiv im Einsatz, hat sich am Markt bewährt und liefert messbare Ergebnisse. Das zeigt, welches Potenzial in der Verbindung von technischer Expertise und KI steckt. PartSpace zählt zu den Vorreitern im Einsatz von KI im Engineering. Mit dem klaren Ziel, den technischen Einkauf intelligenter, sicherer und zukunftsfähiger zu machen.
Unsere Kunden profitieren von maßgeschneiderten Einkaufsentscheidungen, transparenten Prozessen und signifikanten Einsparungen durch optimierte Beschaffungsstrategien.
Was sind die weiteren Schritte in der Entwicklung von PartSpace?
Robert Hilmer: Die nächsten Ziele sind die Weiterentwicklung unserer KI, der internationale Roll-out und die Beschleunigung des Unternehmenswachstums. Dafür arbeiten wir mit Armira Growth und Bayern Kapital zusammen. Mit der Unterstützung der Investoren werden wir die Skalierung vorantreiben und unseren Kunden ermöglichen, bessere Einkaufsentscheidungen zu treffen.
Zur Verbesserung Ihrer Einkaufsleistung
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